Das meiste, was über Cannabis-Entzug zu lesen ist, stammt aus klinischen Studien mit ein paar Dutzend Teilnehmenden. Dieser Report kommt von der anderen Seite: aus den täglichen Check-ins von 1.437 Menschen, die zwischen Dezember 2025 und Oktober 2026 mit der Klar App mit dem Kiffen aufgehört und ihre Daten anonym freigegeben haben. 5.960 tägliche Check-ins, 3.501 Symptom-Einträge, 785 Cravings und 631 Ausrutscher, ausgewertet mit Mindestgruppengrößen und ohne personenbezogene Daten.
Jede Grafik darf unter CC BY 4.0 mit Link auf diese Seite weiterverwendet werden, die Zahlen stehen als Datensatz zum Download bereit. Was die Daten können und was nicht, steht unter Methodik.
Acht Dinge, die die Daten zeigen
- Tag 3 ist der härteste Tag. Die mittlere Symptomstärke erreicht an Tag 3 ihren Höhepunkt mit 5,0 von 10 (58 Personen) und sinkt bis Tag 9 auf 4,3.
- Schlaflosigkeit und lebhafte Träume halten am längsten. Reizbarkeit, Craving und Appetitverlust lassen innerhalb von zwei Wochen nach; Schlaflosigkeit liegt in Woche 3 bis 4 noch bei 5,0, lebhafte Träume bei 5,1.
- Cravings sind ein Abendproblem. 42 % aller Cravings kamen zwischen 18 und 24 Uhr, 20 Uhr ist die Spitzenstunde. Abends sind sie auch am stärksten.
- Drei von vier Cravings gehen vorbei. Wo der Ausgang protokolliert wurde, endeten 77 % der Cravings ohne Konsum.
- Ausrutscher sind die Regel, nicht die Ausnahme. 69 % derer, die mindestens eine Woche getrackt haben, haben mindestens einen Ausrutscher eingetragen.
- Der erste Ausrutscher kommt früh. Im Median an Tag 2; 70 % der ersten Ausrutscher passieren in den ersten drei Tagen.
- Sonntag ist Ausrutscher-Tag. 109 Ausrutscher fielen auf einen Sonntag, an jedem anderen Wochentag waren es 82 bis 92.
- Gewohnheit, nicht Stress, ist der Hauptauslöser. Die Hälfte aller Ausrutscher mit erfasstem Auslöser kam aus der Routine; Stress macht 13 % aus.
Wer aufhört
Hinter den Zahlen stehen junge, starke Konsumentinnen und Konsumenten. Von denen, die die Onboarding-Fragen beantwortet haben, ist der Median 29 Jahre alt, 54 % sind zwischen 25 und 34. Die mittlere Person kifft seit 4 Jahren (Interquartilsbereich 2 bis 7), 71 % konsumieren mehrmals täglich. Im Abhängigkeits-Selbsttest der App liegt der Median bei 71 von 100 Punkten. Deutsch ist die größte Sprachgruppe (44 %), vor Englisch (15 %), Portugiesisch (12 %), Französisch (10 %) und Spanisch (6 %).
Nach dem Hauptgrund fürs Aufhören gefragt, wählten 44 % „wieder ich selbst sein“. Gesundheit folgt mit 20 %. Geld, das Argument, mit dem die meisten Kampagnen anfangen, nennen 4 %.
Beim Start schätzen die Nutzerinnen und Nutzer ihren Entzug selbst ein: 18 % minimal, 35 % leicht, 23 % mittel, 25 % schwer (231 Personen).
Welche Symptome, und wie lange
Klar fragt im täglichen Check-in acht Symptome ab, jedes auf einer Skala von 0 bis 10. In der ersten Woche gaben 130 Personen im Schnitt 5,3 für Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und Craving an, 5,2 für Angst, 5,0 für Brain Fog und lebhafte Träume, 4,7 für Appetitverlust und 4,4 für körperliche Beschwerden. Über alle Symptome liegt Woche 1 bei 4,6.
In Woche 3 bis 4 (39 Personen tracken noch) liegt der Gesamtwert bei 3,6. Am stärksten nachgelassen haben Appetitverlust (3,0), körperliche Beschwerden (3,1) und Brain Fog (3,7). Schlaflosigkeit (5,0) und lebhafte Träume (5,1) haben sich kaum bewegt. Das passt zur Schlafforschung: THC unterdrückt den REM-Schlaf, und der Rebound danach braucht Wochen. Was hilft, steht bei Schlaflosigkeit nach dem Kiffen-Aufhören und lebhaften Träumen.
Tabellenansicht
| Symptom | Woche 1 (130) | Woche 2 (51) | Wochen 3–4 (39) |
|---|---|---|---|
| Craving | 5,3 | 4,2 | 4,5 |
| Reizbarkeit | 5,3 | 4,2 | 4,0 |
| Schlaflosigkeit | 5,3 | 5,3 | 5,0 |
| Angst | 5,2 | 4,4 | 4,0 |
| Brain Fog | 5,0 | 4,4 | 3,7 |
| Lebhafte Träume | 5,0 | 5,3 | 5,1 |
| Appetitverlust | 4,7 | 3,3 | 3,0 |
| Körperliche Beschwerden | 4,4 | 3,3 | 3,1 |
| Alle Symptome | 4,6 | 4,1 | 3,6 |
Die ersten neun Tage, Tag für Tag
Tageswerte werden nur gezeigt, wenn mindestens 34 Personen diesen Tag protokolliert haben. Die Gesamtstärke startet an Tag 1 bei 4,6, erreicht an Tag 3 mit 5,0 ihren Höhepunkt und liegt an Tag 9 bei 4,3. Schlaflosigkeit hat zwei Spitzen: 6,1 an Tag 3 und 6,0 bis 6,1 an den Tagen 8 und 9. Lebhafte Träume beginnen an Tag 1 niedrig (3,7), weil der REM-Rebound ein paar THC-freie Nächte braucht, und erreichen an Tag 4 ihren Höhepunkt mit 6,9.
Tabellenansicht
| Tag | Personen | Alle Symptome | Schlaflosigkeit | Lebhafte Träume | Craving | Angst |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 102 | 4,6 | 5,4 | 3,7 | 5,6 | 5,4 |
| 2 | 57 | 4,4 | 5,4 | 5,5 | 5,2 | 4,4 |
| 3 | 58 | 5,0 | 6,1 | 6,2 | 5,3 | 5,7 |
| 4 | 45 | 4,5 | 5,3 | 6,9 | 5,6 | 5,2 |
| 5 | 41 | 4,6 | 6,0 | 4,8 | 4,7 | 5,3 |
| 6 | 38 | 4,5 | 4,4 | 5,0 | 5,1 | 5,7 |
| 7 | 38 | 4,8 | 4,5 | 5,2 | 5,4 | 5,2 |
| 8 | 41 | 4,2 | 6,1 | 5,8 | 3,9 | 4,8 |
| 9 | 34 | 4,3 | 6,0 | 5,1 | 4,4 | 4,5 |
Wer diese Kurve auf das eigene Konsummuster angepasst haben will: Der Entzugssymptome-Rechner macht genau das, mit demselben Datensatz. Den groben Ablauf erklären die 4 Phasen des Cannabis-Entzugs.
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Wann Cravings kommen
140 Personen haben 785 Cravings mit Uhrzeit protokolliert. Die Tageskurve ist eindeutig: vor 8 Uhr fast nichts, eine erste Welle gegen 11 Uhr und ein langer Anstieg über den Nachmittag bis zur Spitze um 20 Uhr (68 Cravings). 42 % aller Cravings fallen zwischen 18 und 24 Uhr. Abends sind sie auch stärker: im Schnitt 5,6 von 10, gegenüber 4,8 am Vormittag und Nachmittag.
Bei 270 dieser Cravings ist der Ausgang protokolliert: 77 % gingen ohne Konsum vorbei. Die Quote ist morgens am höchsten (81 %) und nachmittags wie abends am niedrigsten (75 %). Praktisch heißt das: Ein Craving um 20 Uhr ist wahrscheinlicher und schwerer, also ist das die Stunde, für die man einen Plan braucht. Craving Surfing ist die Technik, die Klar genau für diesen Moment vermittelt.
Tabellenansicht
| Tageszeit | Cravings | Personen | Ø Stärke | Vorbeigegangen (wo erfasst) |
|---|---|---|---|---|
| Morgen (6–11 Uhr) | 154 | 65 | 4,8 | 81 % (54 von 67) |
| Nachmittag (12–17 Uhr) | 263 | 84 | 4,8 | 75 % (79 von 106) |
| Abend (18–23 Uhr) | 326 | 93 | 5,6 | 75 % (57 von 76) |
| Nacht (0–5 Uhr) | 42 | 25 | 6,0 | 90 % (19 von 21) |
Ausrutscher: wann, wie oft, warum
Klar behandelt einen Ausrutscher als Datenpunkt, nicht als Scheitern, und die Daten geben dem recht. Von den 111 Personen, die mindestens sieben Tage getrackt haben, haben 76 (69 %) mindestens einen Ausrutscher eingetragen. Der erste kam im Median an Tag 2; 70 % der ersten Ausrutscher passierten in den ersten drei Tagen, 86 % innerhalb von zwei Wochen. Nach einem Monat rutscht fast niemand zum ersten Mal aus.
Pro erfasstem Tag sinkt die Ausrutscher-Quote über den ersten Monat: 26 % der erfassten Tage an Tag 2 und 3 waren Ausrutscher, 24 % an Tag 4 bis 7, 21 % an Tag 8 bis 14 und 16 % an Tag 15 bis 30. An Tag 31 bis 60 steigt sie in einer kleineren Gruppe von 57 Personen wieder auf 22 %. Tag 1 ist ausgeklammert, weil viele den Tag des Aufhörens selbst als Ausrutscher eintragen.
Der Wochentag zählt weniger, als man denkt, mit einer Ausnahme. Montag bis Samstag tragen je 82 bis 92 der 631 Ausrutscher, der Sonntag 109, rund ein Fünftel mehr als jeder andere Tag.
Bei 305 Ausrutschern ist der Auslöser erfasst. Die Hälfte kam aus der Gewohnheit: der übliche Ort, die übliche Uhrzeit, die übliche Routine, ohne dass etwas Besonderes passiert wäre. Stress (13 %), Langeweile (11 %) und Gefühle (11 %) folgen; sozialer Druck steht mit 3 % am Ende. Die Lehre für die erste Woche: die Routine um den alten Auslöser herum ändern, statt sich auf eine Krise vorzubereiten, die meistens nicht kommt.
Was das heißt, wenn du gerade aufhörst
- Plane Tag 3 und 20 Uhr. Da sind Symptome und Cravings am stärksten. Der Abend des ersten Wochenendes sollte vorher durchgeplant sein.
- Rechne bei Schlaf und Träumen mit Wochen. Alles andere wird innerhalb von zwei Wochen besser, der Schlaf nicht. Das ist ein bekannter Preis, kein Zeichen, dass es nicht funktioniert.
- Ändere den Auslöser, nicht nur die Gewohnheit. Die Hälfte der Ausrutscher kommt aus der Routine. Die erste Woche ist der Moment, den Ablauf zu verschieben, der früher mit einem Joint endete.
- Ein Ausrutscher ist ein Datenpunkt. Die meisten, die aufhören, tragen mindestens einen ein, und die meisten ersten Ausrutscher passieren in den ersten drei Tagen. Wer 30 Tage erreicht, hat meistens ausgerutscht und weiter getrackt.
Der komplette Entzugs-Guide erklärt, was bei welchem Symptom hilft, der THC-Abbau-Rechner schätzt, wie lange THC im Körper bleibt. Klar selbst ist die App, aus der diese Daten stammen.
Was aus diesen Zahlen praktisch folgt, haben wir in einen Plan übersetzt: Kiffen aufhören: So schaffst du es.
Methodik und Grenzen
Quelle. Check-ins in der Klar App zwischen dem 22. Dezember 2025 und dem 26. Oktober 2026 von den 1.437 Profilen, die in den App-Einstellungen der anonymen Datenfreigabe zugestimmt haben. Die Aggregate wurden am 26. Oktober 2026 nur lesend abgefragt und enthalten keine Nutzer-IDs und keine Freitextfelder.
Gruppengrößen. Eine Zahl wird nur veröffentlicht, wenn mindestens 30 Personen dazu beigetragen haben (Tageswerte) oder mindestens 50 Ereignisse vorliegen (Craving- und Ausrutscher-Zählungen). Die Wochenwerte enden deshalb bei Woche 3 bis 4 (39 Personen), die Tageswerte bei Tag 9 (34 Personen). Ausrutscher-Quoten ab Tag 61 werden nicht gezeigt, weil weniger als 30 Personen so weit getrackt haben.
Was die Zahlen sind. Symptomwerte sind Selbsteinschätzungen auf einer Skala von 0 bis 10 im täglichen Check-in. Ein „Ausrutscher“ ist ein Check-in, der als Konsumtag markiert wurde. Craving-Zeiten nutzen die Ortszeit des Geräts. Die Abhängigkeitswerte stammen aus dem Selbsttest beim Onboarding, nicht aus einem klinischen Instrument.
Grenzen. Das ist eine Gelegenheitsstichprobe von App-Nutzerinnen und -Nutzern, die sich fürs Tracken entschieden haben, mit Übergewicht von Deutschsprachigen und täglich Konsumierenden; keine Bevölkerungsschätzung. Die Werte späterer Wochen beschreiben die, die weiter protokolliert haben, und die können sich von denen unterscheiden, die aufgehört haben zu tracken. Nichts hier ist eine kausale Aussage oder ein medizinischer Rat. Die literaturbasierten Symptomverläufe, mit denen Klar ebenfalls arbeitet, stehen im Symptom-Guide.
Weiterverwendung. Grafiken und Zahlen stehen unter CC BY 4.0. Bitte zitieren als „Klar (liveklar.com), Cannabis-Entzug Daten-Report 2026“ mit Link auf diese Seite. Der Datensatz hinter jeder Grafik: klar-cannabis-withdrawal-report-2026.json. Presse- und Forschungsanfragen: support@liveklar.com.


